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Eine Woche mit Android

Morgen fahre ich in den langersehnten Urlaub – eine Woche Dänemark, Ferienhäuschen an der Nordseeküste, keine Großstadt, keine Menschen, keine Arbeit, kein Stress. Aber vorher wollte ich ja noch ein kurzes Update zu meinem ersten Android-Gerät, dem Google Nexus 7, geben.

Vorab: bis auf Weiteres stehe ich zu dem Fazit meines vor einer Woche veröffentlichten Erfahrungsberichts. Das Nexus 7 ist, vor allem bei dem tollen Preis, ein äußerst solides Tablet, das ich durchaus empfehlen kann – solange man eben kein iPad erwartet.

Android ist ein gutes Betriebssystem, das einige Dinge sehr viel besser hinbekommt als iOS, andere (mir teilweise wichtige) Dinge schlechter. Teilweise sind es gerade die Features, die Android flexibler machen, die mich in anderen Momenten nerven; so ist zum Beispiel das Multitasking sehr viel mächtiger, aber die dafür nötige Navigations-Interaktion macht mich streckenweise kirre. Für so manchen Bastelfreak mag es lächerlich erscheinen, dass in iOS immer nur eine Anwendung “läuft”; diese absichtliche Einschränkung sorgt jedoch für eine meiner Meinung nach sehr angenehme User Experience; “don't make me think”. Mich entspannt das; bei Android weiß ich manchmal einfach nicht, wo ich als nächstes hin komme, wenn ich den “Zurück”-Button betätige.

(Bevor mir jetzt von irgendwelchen Androiden vorgeworfen wird, ich Apple-Fanboi würde mir ja nur die Defizite meines Lieblingsbetriebssystems schönreden wollen: Multitasking unter iOS ist gar nicht so weit von dem in Android entfernt, auch unter iOS können Apps Services starten, die im Hintergrund laufen. Android lässt ihnen nur sehr viel mehr Spielraum.)

Die im ursprünglichen Artikel angesprochene durchwachsene Qualität der erhältlichen Android-Apps nervt mich immer noch, jedoch meine ich sie inzwischen etwas besser zu verstehen; die meisten Apps sind in erster Linie für Handy-Bildschirme “optimiert”, oder vielleicht sollte man sagen: noch nicht an die ja noch relativ neue Tablet-Gerätekategorie angepasst. Da überall gesagt wird, dass Android-Apps bei weitem nicht das wirtschaftliche Potenzial haben wie iOS-Apps, kann ich auch verstehen, wieso jetzt nicht schnurstracks alle Apps angepasst werden. Letztendlich bleibt jedoch auch ein Faktor, dass auf der einen Seite klare Interface-Guidelines fehlen (oder lange gefehlt hatten), und dass Android unter einer sehr hohen Fragmentierung der verschiedenen OS-Versionen leidet. Alles in allem also keine dankbare Umgebung für App-Entwickler; unter iOS hat man es einfach eine ganze Spur leichter. Die gute Nachricht ist, dass die “großen” Apps (Evernote, Facebook, Pocket usw.) auch auf dem Nexus 7 prima aussehen und funktionieren – immerhin.

Ich bleibe also dabei: wenn man einfach nur “irgendein” Tablet zum Lesen, Browsen, Schreiben und/oder (Rum-)Spielen möchte, Apple doof findet und/oder Google-Fan ist, ist das Google Nexus 7 sicherlich eine hervorragende Wahl. Wer bereit ist, sich auf das Ökosystem von Amazon einzuschießen, kann als Alternative zum gestern vorgestellten Kindle Fire HD greifen, bei dem es für das selbe Geld zumindest mehr Speicherplatz gibt, mehr weiß ich zu dem Gerät leider noch nicht.

Alle anderen sollten nun abwarten, wie Apples nächster Zug aussieht. Dass ein 7"-iPad kommen soll, gilt an diesem Punkt als sicher; gespannt bin ich jedoch auf den Preis. (Ich rechne mit €299 für ein 16 GB-Modell.) Mitte September wissen wir (hoffentlich) mehr.