
Anfang des Jahres wollte ich nach langer, gemütlicher Stagnation endlich wieder meine Technik auf Vordermann bringen. Mein mobiler Rechner, ein weißes MacBook aus dem Jahre 2007, stand kurz davor, in seine Einzelteile zu zerbrechen, und der iMac aus dem selben Jahr machte auch keine so frische Figur mehr.
Nach großem Hin und Her – ich war mir nicht sicher, ob mir ein mobiler Rechner oder eine ordentliche Schreibtisch-Workstation wichtiger war, und beides wollte ich nicht kaufen – wurde es dann ein 13" MacBook Air (mit 1.8 GHz Intel Core i7, 4 GB RAM, 256 GB SSD). Ein Wahnsinnsteil! Mit Abstand der coolste Rechner, mit dem ich je gearbeitet habe. Kann ich absolut, uneingeschränkt empfehlen.
Weil ich aber nunmal viel an dem einen oder anderen Schreibtisch arbeite und da nicht die ganze Zeit über einem 13"-Notebook hängen möchte, bestellte ich noch ein Apple-27"-Thunderbolt-Display mit dazu. Das Ding ist nicht nur ein cooler Bildschirm, sondern auch noch eine waschechte Docking Station für mobile Macs, immerhin ist es vollgestopft mit USB- und Firewire-Ports, einem Ethernet-Anschluss, einem Soundinterface und sogar einer Facetime-HD-Kamera. Und an den Rechner wird das alles über ein einziges Thunderbolt-Kabel angeschlossen. Cool!
Leider, leider, leider muss ich aber inzwischen sagen, dass das Gerät ein paar Probleme hat, die in der täglichen Praxis nicht furchtbar schlimm, alles in allem aber ziemlich Apple-unlike sind. Wer derzeit überlegt, sich ein Thunderbolt Display zuzulegen, sollte sich also über die folgenden Mankos bewusst sein:
Sound/Lautsprecher mangelhaft: die eigentliche Soundausgabe-Qualität ist für ein eingebautes Interface ganz in Ordnung – vergleichbar mit denen der iMacs. Es gibt jedoch leider das Problem, dass der Sound rauscht. Nicht besonders laut, in einer typischen Büroumgebung ist das nicht zu hören; wer aber in einem ruhigen Zimmer ohne andere Geräuschquellen arbeitet – und bis vor kurzem war das bei mir der Fall –, kann richtig hören, wie beim Start von Soundausgabe mit einem kurzen “Plopp” der Lautsprecher aktiviert wird, nur, um dann nach ~30 Sekunden mit eben diesem Rauschen unterlegter Stille mit einem erneuten “Plopp” wieder abgeschaltet zu werden. Wie gesagt, in einem typischen Büro laufen ja noch andere Computer, externe Festplatten, Klimaanlagen und Dubstep, da wird das in der Regel nicht auffallen, aber ich finde es schon etwas schade, dass der einzige Workaround ist, für mehr Geräuschkulisse zu sorgen.
Kein Kopfhörerausgang:: warum man dem Soundinterface nicht noch einen Kopfhörerausgang spendiert hat, mag mal jemand verstehen. Klar, man kann auch den Ausgang am Rechner benutzen, aber… ihr wisst schon.
Firewire-Port hat Probleme mit Sleep: Leider “verschwindet” der Firewire-Port oft, wenn der Rechner den Schlafmodus betritt. Betreibt man am Firewire-Anschluss z.B. eine externe Festplatte, äußert sich das darin, dass man nach Aufwachen des Rechners von einer Meldung begrüßt wird, eine Festplatte sei einfach so abgestöpselt worden, und man möge in Zukunft die Platte doch bitte erst unmounten, vielen Dank. Auch, wenn man den Rechner frisch an das Display anschließt, wird eine bereits am Firewire-Port angeschlossene Festplatte oft nicht erkannt, bis man sie ab- und wieder anstöpselt. Das nervt. Wie sich dieses Problem auf andere Firewire-Hardware auswirkt, weiß ich nicht.
Hitzeentwicklung: in dem Thunderbolt Display steckt jede Menge Hardware – und ein Lüfter, der ähnlich wie bei den iMacs die warme Luft aus einem an der Unterseite des Bildschirms befindlichen Gitter pustet. Ausgerechnet durch aktivierte Soundausgabe – siehe oben – wird das Display ganz schön warm, dank des Warmen Luftstroms hat man dann seinen persönlichen Handwärmer am Schreibtisch. Mein MacBook oder einen Babyhamster würde ich nicht gerne darunter liegen lassen.
So. Das ist alles nicht toll. Bei einem €300-Display hätten mich solche Mängel vielleicht nicht überrascht, aber beim €999-Referenz-Modell von Apple ist das schon eine ziemliche Enttäuschung, zumal ich inzwischen weiß, dass ich nicht einfach nur ein mangelhaftes Gerät erwischt habe, sondern diese Probleme von fast allen Besitzern eines Thunderbolt-Displays bestätigt werden. Leider gibt es, solange man die gemütliche Thunderbolt-Verbindung nutzen möchte, keine mir bekannte Alternative. Grummel.
Wer also gerade mit dem Gedanken spielt, sich das Apple Thunderbolt Display zuzulegen, sollte sich überlegen, wie schwer ihn die oben beschriebenen Probleme treffen; es ist immerhin nach wie vor ein verdammt gutes Display. Nur leider darf man hier nicht die gewohnte “alles funktioniert immer und ohne Probleme”-Apple-Experience erwarten. Wen das alles abturnt, der sollte vielleicht besser in einen guten Standalone-Monitor, einen USB-Hub und ein gutes USB-Lautsprecher-Paar investieren.
Habt ihr ein Thunderbolt Display und ähnliche Probleme beobachten können? Oder habt ihr vielleicht mehr Glück gehabt, und alles funktioniert? Die Kommentare sind offen, oder meldet euch über Twitter.